Ohne Schornstein und Auspuff. Ein autofreier Plusenergie-Stadtteil für Freiburg

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Erstellt von Rolf Disch am 20.11.2015 um 17:07 Uhr
Stadtplanung und Stadtentwicklung

Mit dem Quartier Vauban und der Solarsiedlung sind in Freiburg neue Maßstäbe für energieeffizientes Bauen und Ansätze für die Reduktion des Autoverkehrs gesetzt worden. Die Stadtbevölkerung wächst, die Kaufpreise und Mieten für Wohnungen steigen immer weiter, die Errichtung neuer Stadtteile ist bereits angedacht, es muss neuer – bezahlbarer – Wohnraum geschaffen werden.

Hierbei soll Freiburg nicht beim Erreichten stehenbleiben, sondern die Erkenntnisse und Fortschritte der letzten Jahre nutzen, die neuen Möglichkeiten, die jetzt im Bereich der Energieeffizienz, der erneuerbaren Energien und der nachhaltigen Mobilität zur Verfügung stehen. Im neuen Stadtteil werden deshalb alle Gebäude Plusenergiehäuser, es wird ein Plusenergie-Quartier, das insgesamt mehr (saubere) Energie erzeugt, als es verbraucht. Das neue Quartier erhält intelligent gesteuerte und verknüpfte Netze für Strom- und Wärme. Speichertechnologien entlasten das Strom- und Wärmenetz. Und die Energie für das Wohnen und die Mobilität kommt von der Sonne.

Das neue Quartier bleibt – bis auf wenige Ausnahmen zum Beispiel für Elektro-Carsharing – komplett autofrei. Über das im Quartier Vauban Erreichte hinaus verpflichten sich die Neusiedler, komplett auf den privaten PKW zu verzichten. Der Stadtteil wird an den ÖPNV angeschlossen und erhält ein multimodales, elektromobiles und kommunikationstechnisch vernetztes Verkehrssystem, natürlich mit Vorrang für Fußgänger und Zweiräder. Elektroautos, Elektro-Fahrräder, Lastenfahrräder und viele andere attraktive und umweltverträgliche Fahrzeuge stehen allen Bewohnern gemeinsam zur Verfügung.

Neuere Projekte wie zum Beispiel „Gutleutmatten“ haben gezeigt: Bei Erfüllung aller – richtigen und wichtigen – Anforderungen an Wärme-, Schall-, Brandschutz usw. lässt sich an den Erstellungskosten nicht allzu viel einsparen, und die Grundstücke auch für einen neuen Stadtteil werden nicht billig zu haben sein. Aber die Kosten für ein eigenes Auto (laut ADAC für einen Mittelklasse-PKW ca. 6.900 € pro Jahr) und für einen teuren Stellplatz (oder sehr teure Tiefgaragen mit Kosten von 25.000 bis zu 40.000 € plus laufende Nebenkosten) können entfallen. Mit einem Bruchteil davon lässt sich die Infrastruktur bereitstellen, die das eigene Auto unnötig macht. Neben den Mobilitätskosten werden auch die Energiekosten auf ein Minimum verringert.

Die zweite wirkliche Stellschraube für bezahlbares Wohnen sind die Wohnungsgrößen. Viele Wohnungen werden immer noch für die klassische Familie geplant, und sicher besteht hier auch Bedarf. Doch muss das künftig so geplant werden, dass nach der Kindererziehungsphase die Wohnung flexibel abgeteilt werden kann, so dass die Eltern nicht die nächsten Jahrzehnt eine viel zu große Wohnung unterhalten müssen. Und nicht nur die wachsende Zahl an Singlehaushalten und Senioren erfordert tendenziell kleinere Wohnungen, sondern die Endlichkeit der Ressourcen und der Klimawandel bedingen einen genügsameren Lebensstil. So kann bezahlbares Wohnen funktionieren.

Mit dem neuen, autofreien, emissionsfreien Plusenergie-Stadtteil mit wirklich bezahlbarem Wohnraum wird nicht nur die Umwelt geschont, nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Sondern es entsteht ein hochwertiger Lebensraum für Familien und für generationen-übergreifendes Wohnen, es entsteht eine attraktive, umfassende Fußgängerzone, eine zusammenhängende kommunikative Freianlage – nicht als Sonderfall, sondern als Regelfall. Mit mehr Grün und weniger Straßen. Mit mehr Raum und weniger Gefahr für spielende Kinder, für nachbarschaftliche Aktivitäten. Mit sehr viel weniger Lärm, weniger Flächenverbrauch für ruhenden und fließenden Verkehr – und ohne schädliche Emissionen. Durch den Gewinn an Flächen, der sonst den fahrenden und herumstehenden Autos vorbehalten wird, kann eine ganz andere, viel höhere städtebauliche und architektonische Qualität erreicht werden – so wie man es in den Stadtzentren und in den Vierteln aus dem 19. Jahrhundert noch ahnen kann, und so wie es in den Städten immer war, bis sie vor dem Auto kapitulierten. Diese Lebens- und Erlebnisqualität muss zurückgewonnen werden.

So bekommt Freiburg ein neues Modellprojekt, übernimmt wieder eine Vorreiterrolle und behauptet sich damit als innovativste Green City. Fördergelder für die Konzepterstellung, die wissenschaftliche Begleitung wie für die eigentliche Umsetzung können nach Freiburg gelenkt werden. Es kann nicht sein, dass man nach den Erfahrungen mit dem Quartier Vauban nur immer wieder zurückrudert und immer wieder tausend Gründe anführt, warum es wieder nur „ein bisschen nachhaltig“ sein kann. Wenn das 2-Grad-KlimaSchutz-Ziel eingehalten werden soll, dann müssen sich sowohl die Planungen als auch unser Lebensstil daran anpassen.

Wo wenn nicht in Freiburg wäre das möglich?!

Kommentare (1)

Hannes Steinhilber

ID: 33 09.12.2015 23:14

gute Idee! am besten umgesetzt in Strohballenbauweise!

--> https://zukunftsstadt.freiburg.de/ecm-politik/freiburg/de/mapconsultation/47788/single/proposal/52