Flächengerechtigkeit als Grundlage für die urbane Mobilität

ID: 51
Erstellt von Andreas Hege am 09.12.2015 um 22:05 Uhr
Mobilität / Verkehr

Den innerstädtischen öffentlichen Raum teilen wir uns alle - zu Fuß Gehende, Radfahrende, Pkws. Personen, die mit dem Auto fahren, beanspruchen dabei weit mehr Raum für sich als alle anderen, denen dadurch Freiraum und damit Lebensqualität genommen wird.
Heute dominiert in Freiburg unbestritten der Pkw den Straßenverkehrsraum. Auch wenn der Modal Split - die Aufteilung der Beförderungsleistung unter den einzelnen Verkehrsarten - in Freiburg
verhältnismäßig umweltfreundlich ausgerichtet ist, steht den Pkws weiterhin ein deutlich überproportional hoher Anteil an den Verkehrsflächen zur Verfügung. Dabei wird der Pkw nur für rund ein Drittel aller innerstädtischen Wege genutzt (1999 waren es 32%). Das Fahrrad muss sich mit einstelligen Prozentanteilen an der Verkehrsfläche begnügen, obwohl mit ihm gegenwärtig in Freiburg wohl mehr als 30% aller Wege zurückgelegt werden (1999: 27%). Der zweifelsohne vorhandene Trend zu mehr Fahrradverkehr in Freiburg muss dringend durch eine neue Aufteilung der innerstädtischen Flächen begleitet werden. Dabei sollte auch auf den Fußverkehr (ca. 20% des innerstädtischen Verkehrsaufkommens) vermehrt Wert gelegt werden.
Es muss doch nicht so bleiben, dass jemand, der sich entscheidet, eine Strecke mit dem Auto zu fahren, automatisch mehr Platz beanspruchen darf als jemand, der mit dem Rad fährt oder zu Fuß geht? Ein
Verkehrsmittel „verdient“, je nachdem wie häufig es gewählt wird, einen entsprechenden Raumanteil.
Da Fuß- und Radverkehr für dieselbe Beförderungsleistung deutlich weniger Fläche benötigen, würde der freiwerdende Raum für andere, allen BürgerInnen zu Gute kommenden Zwecken verfügbar:
Begegnungszonen für die Nachbarschaft, Aufenthaltsbereiche für Kinder, ohne dass ihre Eltern ständig um deren Leben fürchten müssten, nur um hier zwei Beispiele zu nennen. Bei dann weiter abnehmendem KFZ-Verkehr
würde die Luftqualität wieder besser, die Lärmbelastung geringer und übrigens auch der Verkehrsfluss für die weniger gewordenen PKWs besser.
Die innerstädtisch frei werdenden Flächen (v.a. größere Parkplätze) könnten zum Teil auch genutzt werden, um dort neuen Wohnraum zu schaffen.

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