Ideen auf Zukunftsdialog diskutiert

Die insgesamt 45 Ideen, die Ende letzten Jahres auf dieser Plattform gesammelt worden sind, hat das Zukunftsstadt-Team gesichtet und ausgewertet. Mit dem Ziel, Ideen weiterzuverfolgen, zu denen insbesonderedie Wissenschaft einen Beitrag leisten kann, sind 35 Ideen ausgewählt worden.

Die Urheberinnen und Urheber der eingestellten Ideen sind daraufhin zu einem Zukunftsdialog eingeladen worden, an dem außerdem 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilgenommen haben.

Simone Pflaum eröffnet den Zukunftsdialog

Hier können Sie nun das Protokoll des Dialogs nachlesen:

Der Zukunftsdialog

Der Zukunftsdialog diente als Forum zumt Ausausch zwischen Wissenschaft und Bürgerschaft. Er fand am 11. Februar 2016 in der Aula der Universität Freiburg mit rund 70 Teilnehmenden statt.

Eingeladen waren 30 Sieger der Ideengeber*innen, sowie die dazugehörigen Kommentatoren, als auch 30 Wissenschaftler*innen des Wissenschaftsstandortes Freiburg.

Im Rahmen des Dialogs fand an fünf Thementischen und zwei Austauschrunden ein intensiver Dialog zwischen Wissenschaft und Bürgerschaft statt.

In der ersten Austauschrunde hatten die Ideengeber*innen einleitend die Möglichkeit, ihre Idee kurz vorzustellen und mit den Anwesenden zu diskutieren. Im Anschluss erfolgte eine Clusterung der Ideen. (Blaue Karten)

Daraufhin präsentierten die Wissenschaftler*innen mögliche Forschungsbeiträge und Schnittstellen zu den dargelegten Ideen und Clustern, die ebenso mit den Anwesenden diskutiert wurden. (Grüne Karten)

Daraufhin wurden zu den Clustern geeignete Überschriften festgelegt. (Rote Karten)

In einer zweiten Austauschrunde stand die gemeinsame Formulierung von Visionsbausteinen im Vordergrund. (Gelbe Karten)

Die Ergebnisse wurden abschließend im Plenum vorgestellt und durch die Teilnehmenden mit Punkten bewertet. (Runde grüne Karten)

Im Rahmen der Arbeit an den Thementischen wurden folgende Ergebnisse festgehalten:

1. Thementisch: Migration und Integration

In einer offenen, anregenden Debatte tauschten sich Vertreter*innen verschiedener zivilgesellschaftlicher Initiativen und Projekte (u.a. Friedenskulturhof und Freundeskreis Asyl Freiburg) und Wissenschaftler*innen aus dem Freiburger Netzwerk für Migrationsforschung (FREINEM) zur Leitfrage „Wie kann erfolgreiche Integration in Freiburg bis 2030 gelingen?“ aus. Auf Basis der über den Zukunftswettbewerb eingebrachten Projektideen sowie der in FREINEM (Freiburger Netzwerk für Migrationsforschung) vorhandenen Forschungsexpertise wurden fünf übergeordnete Themen- und Aktionsfelder identifiziert.

Zunächst wurde erkannt und betont, dass Integration auf lokaler Ebene über die Schaffung von „Orten der Begegnung“ bewerkstelligt werden kann und muss. Allgemein können dafür öffentliche Räume mit niedriger Zugangsschwelle, wie z.B. Schulen oder Cafés, genutzt werden; aber auch konkrete Projekte, wie z.B. der Friedenskulturhof. Neben physischen Orten der Begegnung hängt der Erfolg von Integration auch von effektiven „Kommunikationsnetzwerken“ ab. Als konkrete Projektideen wurden Fortbildungsangebote, Veranstaltungskalender sowie die Nutzung von Smartphone-Apps als Vernetzungsplattformen (Stichwort: Civil Social Responsibility 4.0) eingebracht. Forschungsbedarf wurde u.a. in der Frage gesehen, wie formelle und informelle, vorwiegend ehrenamtliche Strukturen in der Flüchtlingsarbeit zusammenspielen können.

Unter den Titeln „Teilhabe von Geflüchteten“ und „Inklusion“ wurde hervorgehoben, dass früh und umfassend Teilhabemöglichkeiten für Geflüchtete geschaffen werden sollten. Als besonders effektiv wurden Maßnahmen zur frühen Integration in den Arbeitsmarkt angesehen. Konkrete Ansatzpunkte wären z.B. die Schaffung von Ausbildungsmöglichkeiten oder das Einrichten von (mobilen) Werkstätten in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften, aber auch – längerfristig und systemischer gedacht – die Schaffung von Bewusstsein für den Mehrwert von kultureller Diversität v.a. auch in Unternehmen. Als ein weiterer Schwerpunkt wurde der Bereich „Gesundheit“ identifiziert, wo es einerseits darum geht, die Wirksamkeit der gesundheitlichen Versorgung von Geflüchteten zu erhöhen, andererseits aber kulturell unterschiedliche Deutungen von „Gesundheit“ und „Krankheit“ zu verstehen und in der Gesundheitsversorgung zu berücksichtigen.

Spiegelbildich zu Fragen der Inklusion sollten schließlich auch Prozesse der realen Exklusion von Geflüchteten erkannt und bearbeitet werden. In transdisziplinärer Forschung gälte es hier z.B. aufzuzeigen, wie Ausgrenzung im öffentlichen Raum oder Kriminalisierung von Geflüchteten stattfindet und wie dem begegnet werden kann.

Auf einer allgemeinen Ebene wurde zuletzt diskutiert, welcher Mehrwert aus einer engeren Kooperation von Wissenschaft und Zivilgesellschaft erwachsen kann. Als Herausforderung wurden die z.T. gegenläufigen „Logiken“ von Praxis (mit dem Ziel möglichst rascher Problemlösungen) und Wissenschaft (mit dem Anspruch auf Zeit für fundierte Forschung) identifiziert. Über Begleitforschung und die selektive Einbeziehung von Praktiker*innen in den Forschungsprozess sollten diese Herausforderungen aber durchaus produktiv in Einklang gebracht werden können.

Zusammenfassendes Ergebnisprotokoll: Michael Pregernig

2. Thementisch: Dialog- und Ausdrucksformen im Öffentlichen Raum

Durch die Ideengeber*innen wurde die Idee eingebracht Urbane Gärten verstärkt als Begegnungsstätte zu nutzen und dort durch eine Kombination aus Solaranlage und Hochbeet Strom zu erzeugen, der kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.

Durch eine weitere Idee sollte öffentlicher Raum durch Kunst und Kultur stärker als interaktive Begegnungsstätte genutzt werden. Neben den direkten Begegnungs-möglichkeiten wurde auch eine digitale Plattform für partizipative Stadtentwicklung Bürgerbeteiligung vorgestellt, die online Angebote mit persönlichen Begegnungen verbindet. Auch wurde ein eigenes Zentrum für Nachhaltigkeit, ein Ausstellungsraum und Treffpunkt für Nachhaltigkeit für verschiedene Gruppen angesprochen.

Ein vorgestelltes Netzwerk, das speziell hilfsbedürftige Akteure anspricht, koordiniert und professionelle Unterstützung anbietet, richtet sich besonders an ältere Menschen. Der verbindliche Einbezug von Jugendlichen bei Bauplanungs- und Genehmigungsverfahren durch die Einführung einer Jugendtauglichkeitsprüfung wurde ebenfalls angedacht.

Diese Ideen wurden in der Diskussion danach geclustert, dass eine Verschränkung von Räumen stattfinden sollte.

Bei allen Ideen standen einerseits die geeignete Ansprache und damit auch neue Formen der Begegnung im Vordergrund, so dass durch die Angebote alle Menschen angesprochen werden, ohne bestimmte Gruppen auszuschließen. Der öffentliche Raum sollte für jeden nutzbar und zugänglich gestaltet werden („Raum als Commons“).

Durch die Wissenschaftler*innen wurde Expertise zum Einbezug von Flüchtlingen und zu geeigneten Dialogformen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen vorgestellt. Auch zur konkreten Ansprache von Jugendlichen gibt es bereits Forschung in Freiburg.

Zusammenfassendes Ergebnisprotokoll: Katrin Tröster

3. Thementisch: nachhaltige Wirtschaftsformen

In der Diskussion wurden auf Grundlage der seitens der Bürgerschaft eingebrachten Ideen Leitbilder, Strategien und konkrete Projekte bzw. Initiativen formuliert. Ausgehend vom Leitbild einer sozial-ökologisch und regional ausgerichteten Ökonomie kristallisierten sich als wichtigste Strategien der schonende Umgang mit Ressourcen, die nachhaltige Lebensmittelproduktion und -vermarktung, die Förderung gemeinschaftlicher Lebensformen sowie die Transformation von Industriegebieten im Sinne einer Erhöhung der Lebensqualität heraus (rote Felder in der Abbildung). Diesen Strategien wurden die jeweiligen Ideen der Bürgerschaft zugeordnet, z.B. eine strengere Mülltrennung und Abfallreduzierung im Industriegebiet als Initiative im Bereich der Ressourcenschonung, die Gründung einer offenen Werkstatt als Begegnungsstätte als Maßnahme zur Förderung gemeinschaftlicher Lebensformen, oder das Einrichten von Regionalregalen in Supermärkten als Initiative im Bereich der nachhaltigen Lebensmittelvermarktung (blaue Felder in der Abbildung).

Mögliche Beiträge der Wissenschaft in diesem Kontext wären u.a. die Entwicklung und Erforschung von internetbasierten Geschäftsmodellen für sozial-ökologische Initiativen sowie die Erforschung von Möglichkeiten zur Inwertsetzung von sozial-ökologischem Engagement (Beitrag aus dem Bereich Environmental Governance) Außerdem von Interesse ist die wissenschaftliche Betrachtung der Frage welche Lebensmittel von einer globalen Nachhaltigkeitsperspektive aus lokal produziert werden können und ferner die Frage, welche überhaupt die wichtigsten Müllvermeidungsstrategien Blick auf Ressourcenschonung und Treibhausgase sind (Beitrag aus dem Bereich Nachhaltiges Energie- und Stoffmanagement).

Als konkrete Vision, bei deren Umsetzung einige der diskutierten Strategien in Initiativen zum Tragen kommen könnten, wurde die Etablierung eines sog. „Eco Industrial Park“ im Industriegebiet Nord angesehen, welcher sich u.a. durch effektive Müllvermeidung und Ansiedelung regionaler Läden auszeichnen sollte, um so eine neue urbane Qualität zu gewinnen.

4. Thementisch: nachhaltige urbane Mobilität

Wie sieht eine nachhaltige Mobilität in Freiburg im Jahr 2030 aus? Dieser Fragestellung hat sich der Thementisch IV gewidmet und eingehend diskutiert. Dabei standen die Themen Flächengerechtigkeit und Vernetzung im Vordergrund.

Die Verteilung der öffentlichen Flächen wurde grundsätzlich in Frage gestellt und eine Umverteilung vorgeschlagen: Flächen des motorisierten Individualverkehrs (MIV) für ressourcenschonende Mobilitätsalternativen (Fuß, Fahrrad, ÖPNV) oder dem öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen. Damit könnte man gleich mehrere Ziele erreichen, wie die Förderung der sozialen Begegnungen im öffentlichen Raum oder die Reduktion von Lärm.

Als ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt wurde das Thema der Vernetzung von Mobilitätsformen und Infrastruktur, sowie der Nutzer angesprochen. Hier wurde als wichtig erachtet, dass die Menschen auf dem Weg hin zu einer Verhaltensänderung mitgenommen werden müssen.

Als Vision sollte eine autofreie Stadt (oder zumindest frei von fossil-betriebenen Autos) angestrebt werden. Um diese Vision umzusetzen zu können, wurden u.a. eine Reduktion der (Auto-) Stellplätze und Tiefgaragen genannt, sowie eine Erweiterung von Quartiersgaragen, Stadtrandparkplätzen, Carpooling, Carsharing und Ladestationen für Elektroautos und autonome Fahrzeuge. Zusätzlich wurden eine Reduktion der Autofahrbahnen und Steigerung von guten, vernetzten Fahrradwege gefordert.

Diese vielen Anreize würden den MIV reduzieren, somit auch weniger Stellplätze in Anspruch nehmen und das Stadtbild nachhaltig verändern.

Zusammenfassendes Ergebnisprotokoll: Hannah Moser

5. Thementisch: nachhaltige Energieerzeugung und Energieversorgung

Wie sieht eine nachhaltige Energieversorgung in Freiburg im Jahr 2030 aus?

Dieser Frage hat sich der Thementisch V gewidmet und eingehend diskutiert. Dabei wurden von konkreten Projektideen, wie die Einrichtung von BHKWs oder den Mehrwert des Baus von Strohballenhäusern, klare Fragestellungen herausgearbeitet, wie die konkrete Gestaltung der Energiewende vor Ort oder die Anforderungen an ein nachhaltiges, flexibles (Um-) Bauen.

Zudem stand die Frage der Suffizienz im Mittelpunkt der Diskussion, wie kann eine Energieversorgung auch eine Energieeinsparung erwirken ohne die Wohn- und Lebensqualität einzuschränken?

Ein Visionsbaustein, der von Wissenschaft und Ideengeber*innen weiterentwickelt wurde, lag insbesondere auf dem Schwerpunkt der nutzeroptimierten Lösungen, in dem z.B. Strohballenhäuser flexibel und orientiert am Bedarf sich umbauen lassen und mit intelligent vernetzten Energiesystemen energie- und flächeneinsparendes Bauen und Gestalten zulässt.

Zusammenfassendes Ergebnisprotokoll: Simone Ariane Pflaum

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