Meine Zukunftsstadt Freiburg...ist eine Stadt, die nachhaltig in Natur und Menschlichkeit ist!

Meine Zukunftsstadt Freiburg... ist eine Stadt, die nachhaltig in Natur und Menschlichkeit ist!

12.04.2017

Wolfgang Gaber ist der Dompfarrer des Dompfarramts des Freiburger Münsters sowie lei-tender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Freiburg Mitte. Im Interview gibt er einen Einblick in sein Verständnis über den umfassenden Begriff der Nachhaltigkeit.

Herr Gaber, was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist ja ein Wort in aller Munde. Für mich macht sie sich erkennbar, wenn ich Kinder erziehe. Denn wenn ich ihnen ein gutes Vorbild sein konnte und sie sich später noch daran erinnern, dass gewisse Dinge für ihr Leben prägend waren, habe ich eine nachhaltige Erziehungsmethode angewendet.

Ist Ihnen also der Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit besonders wichtig?

Soziale Nachhaltigkeit ist ein Teil des Nachhaltigkeitsbegriffs. Ebenso wichtig sind auch all die Maßnahmen, die die Umwelt betreffen – gerade hier in Freiburg, der „Stadt im Grünen.“ Als ich 1966 Abitur gemacht habe, waren die fortschreitende Industrie und Technik ein Thema. Heute wissen wir: Es gibt einen anderen Blick auf die städtische Gestaltung, auf Luft und Wasser, die Anzahl an Straßen wird reduziert, um Städte zu renaturieren. Ich als Theologe bin von diesen Entwicklungen natürlich sehr angetan, da ich für die Bewahrung der Schöpfung bin und denke, dass diese für uns ganz wichtig sein sollte.

Wie integrieren Sie nachhaltige Themen in Ihren Alltag privat und in Ihr Berufsleben?

In meinem Privatleben versuche ich mehr Fahrrad zu fahren, wofür ich mir auch ein E-Bike gekauft habe und kaum erwarten kann, die ersten Fahrten damit zu machen. In der Kirche gibt es die Fachstelle „Energie und Umwelt“, für die es eine Klimaschutzmana-gerin sowie einen Klimaschutzmanager gibt. Zudem verleiht unser Erzbischof Stephan Burger beispielsweise den Umweltpreis für Solaranlagen und schadstoffarme Heizungen.

Steht Freiburg für Sie für eine nachhaltige Stadt?

In Freiburg wird lebenswertes Leben sichtbar. Der Schwarzwald liegt direkt vor den Toren, die Bächle, das Grün und die gesamte Stadtentwicklung schaffen eine liebenswerte Atmo-sphäre. Natürlich weiß ich, dass es Nachverdichtungen gibt. Und nun kommt der neue Stadtteil Dietenbach mit 12500 Einwohnerinnen und Einwohnern hinzu, bei dem geschaut werden muss, wie dieser in das Stadtbild integriert werden kann. Es gibt jedoch viele gute Ansätze, die die Stadt weiterhin aufwerten: Die Dreisam ist renatu-riert worden und es gibt Ideen, genügend Platz für Radfahrerinnen und Radfahrer zu schaf-fen. Gut ist zudem, dass das Münster das höchste Gebäude der Stadt bleibt. Natürlich muss weiterhin viel getan werden: Der fließende Verkehr soll raus aus der Stadt und Grünflächen sollten erhalten bleiben.

Thema Soziale Nachhaltigkeit: Wo sehen Sie Potenziale und Herausforderungen für die Stadt Freiburg?

Wir machen viele Ferienlager für Kinder. Dort stelle ich fest, dass die Begeisterung größer wird, je mehr es in den Wald geht. Das Interesse sowie die Aufgeschlossenheit sind da. Außerdem sind die neuen Abfallhaie sehr gut. Hier ist es eine Frage der Erziehung, den Abfall dort wirklich reinzuwerfen. Menschen aus anderen Kulturen müssen hierzu aufgeklärt werden und wir sollten aber auch als Vorbilder mit gutem Beispiel voran gehen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich für die Stadt Freiburg, in Bezug auf ihre nachhaltige Entwicklung, wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass für jeden abgeholzten Baum ein neuer gepflanzt wird, mehr Blumen und farbenfrohe Sträucher in der Stadt und Projekte voranzubringen. Zudem sollte mehr Platz zum Abstellen der Fahrräder geschaffen werden.

Wie lautet ein Wunsch von Ihnen gegenüber der Stadtverwaltung, was diese in Bezug auf die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung unternehmen sollte?

Im Freiburger Nachhaltigkeitsbericht sind bereits viele Ziele dargestellt. Ich hoffe natürlich, dass die Schwerpunkte auch umgesetzt werden und somit keine Eintagsfliege sind. Schließ-lich braucht der Mensch die Natur und geht zu Grunde, wenn er sie nicht pflegt. Von daher wünsche ich mir, dass die Freiburger Aktionstage Nachhaltigkeit genutzt werden, um die Zukunft nachhaltig zu steuern und unser Bewusstsein langfristig positiv zu ändern.

Was können Sie persönlich dazu beitragen?

Mein Dienst als Pfarrer besteht ja immer wieder darin den Menschen zu sagen, dass wir in einer Verantwortung stehen vor Gott und der Welt und es ist ja die Schöpfung Gottes, die wir erhalten und bewahren sollen. Wenn wir die Schöpfung kaputt machen, dann gehen wir auch kaputt. Diese Verantwortung hat man aber auch vor sich selbst.

Abschlussstatement: Freiburg im Jahr 2030 ist …

eine wirklich nachhaltige Stadt, in der die Luft wie in einem Kurort ist, genügend Platz zum spazieren gehen vorhanden ist und der große Fließverkehr nicht mehr vorzufinden ist.

Was möchten Sie uns noch abschließend mit auf den Weg geben?

Ich hoffe, dass Sie die Menschen zum Nachdenken rund um das Thema Nachhaltigkeit anre-gen können. Außerdem wünsche ich mir, dass Sie Freude an der Ausübung Ihrer Arbeit haben, um den Menschen nahe bringen zu können, wie sehr uns die Natur am Herzen liegt.

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